Dieser Vortrag ist Teil der Reihe: Neurodiversität in der Psychodynamischen Praxis
Im Rahmen dieses Kurzvortrags wird die psychoanalytische Behandlung einer Patientin vorgestellt, die sich zunächst mit sozialer Phobie und Arbeitsunfähigkeit in Behandlung begibt. Trotz kontinuierlicher analytischer Arbeit zeigt sich über längere Zeit eine therapeutische Stagnation. Affektive Durcharbeitung, Konfliktfokussierung und biografische Exploration führen nur begrenzt zu struktureller Veränderung.
Im weiteren Verlauf wird eine ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter gestellt; zudem verdichtet sich die biografische Rekonstruktion dahingehend, dass die Mutter der Patientin vermutlich eine nicht diagnostizierte Autistin war. Diese Perspektivverschiebung verändert die Fallkonzeption grundlegend: Symptome werden nicht mehr primär als Ausdruck intrapsychischer Konfliktdynamik verstanden, sondern teilweise als Folge neurodivergenter Regulations- und Beziehungserfahrungen, chronischer Überforderung sowie transgenerationaler Missverständnisse im familiären Kontext.
Der Vortrag beleuchtet, wie sich durch die Integration neurodivergenzsensibler Aspekte die therapeutische Haltung, die Deutungsarbeit und das Setting verändern. Diskutiert werden Fragen der Scham, Selbstwertentwicklung, Masking, internalisierter Defizitnarrative sowie die Neubewertung von „Widerstand“ und „Regression“ unter Berücksichtigung neurobiologischer Dispositionen.
Ziel ist es, die Bedeutung von Spät-Diagnosen für psychoanalytische Prozesse zu reflektieren und aufzuzeigen, wie sich durch eine erweiterte Fallkonzeption neue Entwicklungsmöglichkeiten im therapeutischen Verlauf eröffnen können.
Psychologische und ärztliche Psychotherapeut*innen; Kinder-und Jugendlichen Psychotherapeut*innen, Interessierte aus anderen klinisch tätigen Berufsgruppen wie Pflegefachkräfte, Körpertherapeuten, Kunsttherapeuten, Heilpraktiker, Psychologen etc..
Ein Antrag auf Akkreditierung dieser Veranstaltung ist bei der LandespsychotherapeutenkammerBaden-Württemberg gestellt. Die Punkte werden in der Regel von allen Psychotherapeuten- und Ärztekammern in Deutschland, Österreich und der Schweiz anerkannt. Im Anschluss an die Veranstaltung erhalten Sie automatisch eine E-Mail mit Ihrer Teilnahmebescheinigung und Ihren Fortbildungspunkten.
Sie benötigen ein internetfähiges Endgerät (Computer, Tablet oder Smartphone) mit Lautsprechern und eine stabile Internetverbindung. Der Vortrag wird über die Zoom Webinarplattform (nicht als Zoom-Meeting) abgehalten. Als Teilnehmer*in sind Sie nicht über die Kamera sichtbar und können Ihr Mikrofon nicht nutzen. Sie haben aber die Möglichkeit, über den Chat und über "Fragen/ Antworten" aktiv an der Veranstaltung teilzunehmen.
Sie erhalten am Tag der Veranstaltung den Zoom-Link zur Teilnahme und die Veranstaltungsunterlagen per E-Mail zugesandt. Zur Teilnahme müssen Sie lediglich den Link anklicken und das Webinar/ Meeting wird automatisch in Ihrem Browser geöffnet.
20.00 - 21.30
Online via Zoom
2 Punkte