Im Rahmen vieler psychotherapeutischer Heilbehandlungen kommt das Thema partnerschaftlich-sexuelle Beziehungsgesundheit kaum vor oder wird nur am Rande erörtert, obwohl Beziehungsdysstress einen zentralen Faktor für psychosoziale Gesundheit und Lebensqualität darstellt. Dieser Umstand liegt sowohl an der Schambesetztheit des Themas als auch an der klinischen Unsicherheit vieler Psychotherapeut:innen im Umgang mit dem Thema Sexualität.
Der Vortrag vermittelt niedrigschwellige und einfache Strategien zur Integration des Themas Sexualität in die klinische Gesprächsführung psychotherapeutischer Heilbehandlungen, die die Erörterung partnerschaftlich-sexueller Beziehungsgesundheit sowohl für Patient:innen als auch für Psychotherapeut:innen erleichtern.
Vor dem Hintergrund des sozio-physio-psycho-sozialen Paradigmas werden die drei zentralen Funktionen menschlicher Sexualität (Erregung, Fortpflanzung, Kommunikation) dargestellt und damit die Kernfunktion sexueller Interaktion in Beziehungen als Intimkommunikation zur Erfüllung psychosozialer Grundbedürfnisse nach Zugehörigkeit, Angenommenheit, Geborgenheit und Nähe vermittelt.
Ausgehend von der Feststellung, dass somatophysiologische Einflüsse seltener allein ursächlich beteiligt sind und dem gegenüber psychosoziale Ursachen deutliche überwiegen (partnerschaftlich- sexuelle Beziehungsstörungen / Beziehungsdysstress), wird, als ätiopathogenetische Kernvariable aller sexuellen Funktionsstörungen, internalisierter Leistungsdruck, mit daraus folgender soziosexueller Versagensangst und resultierender Vermeidungstendenz aufgezeigt.
Vor diesem Hintergrund wird (meist nicht bewusst wahrgenommene) Angst vor Unzulänglichkeit, Zurückweisung und Ablehnung in der sexuellen Interaktion als zentraler Gesichtspunkt für das Verständnis des Zustandekommens und Bestehenbleiben von Sexualfunktionsstörungen allgemein erläutert.
Darauf aufbauend wird anhand des „Evaluationsbogens zur sexualpsychologischen Gesprächsführung“ ESG (Ahlers et al. 2008) die Integration des Themas partnerschaftlich-sexuelle Beziehungsgesundheit in die psychotherapeutische Gesprächsführung strukturiert und schrittweise entwickelt.
Hierbei soll herausgearbeitet werden, dass neben den Aspekten von Erregung und Fortpflanzung, die Qualität der partnerschaftlich-sexuellen Beziehungskommunikation in erster Linie von der Erfüllung psychosozialer Grundbedürfnisse nach Angenommenheit und Geborgenheit abhängt.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine Aufzeichnung aus unserem digitalen Videostudio vom 28.05.2025
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