Hochfunktionale Depressionen gewinnen zunehmend öffentliche Aufmerksamkeit, stellen jedoch nach wie vor eine diagnostische und therapeutische Herausforderung dar. Betroffene erscheinen nach außen häufig leistungsfähig, zuverlässig und sozial integriert, erleben innerlich jedoch nicht selten Erschöpfung, Leere, Selbstwertprobleme, Grübeln, emotionale Entfremdung und erheblichen Leidensdruck. Gerade die äußere Funktionsfähigkeit trägt dazu bei, dass depressive Symptome von Betroffenen selbst, aber auch von ihrem Umfeld häufig spät erkannt oder bagatellisiert werden.
Der Vortrag beleuchtet das Phänomen der hochfunktionalen Depressionen aus klinisch-psychologischer, psychotherapeutischer und gesellschaftlicher Perspektive. Neben diagnostischen Herausforderungen werden typische biografische und psychologische Merkmale wie Perfektionismus, übermäßige Verantwortungsübernahme, leistungsbezogene Selbstwertregulation, frühe Beziehungserfahrungen sowie dysfunktionale Bewältigungsstrategien diskutiert. Zudem wird der Frage nachgegangen, inwiefern gesellschaftliche Leistungsnormen, Selbstoptimierungsanforderungen und die zunehmende Entgrenzung von Arbeit zur Aufrechterhaltung depressiver Prozesse beitragen können.
Auf Grundlage aktueller Forschung und klinischer Erfahrungen werden psychotherapeutische Implikationen für Diagnostik, Beziehungsarbeit und Behandlung vorgestellt. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Betroffene schrittweise lernen können, Selbstwert, Zugehörigkeit und Sicherheit nicht ausschließlich über Leistung und Funktionieren zu regulieren, sondern korrigierende emotionale Erfahrungen, Selbstfürsorge und tragfähige Beziehungen als alternative Quellen psychischer Stabilität zu entwickeln.
Der Vortrag plädiert für ein differenzierteres Verständnis von Depressionen und diskutiert, weshalb psychische Erkrankungen nicht erst dann ernst genommen werden sollten, wenn Menschen sichtbar zusammenbrechen.
Psychologische und ärztliche Psychotherapeut*innen; Kinder-und Jugendlichen Psychotherapeut*innen, Interessierte aus anderen klinisch tätigen Berufsgruppen wie Pflegefachkräfte, Körpertherapeuten, Kunsttherapeuten, Heilpraktiker, Psychologen etc..
Ein Antrag auf Akkreditierung dieser Veranstaltung ist bei der LandespsychotherapeutenkammerBaden-Württemberg gestellt. Die Punkte werden in der Regel von allen Psychotherapeuten- und Ärztekammern in Deutschland, Österreich und der Schweiz anerkannt. Im Anschluss an die Veranstaltung erhalten Sie automatisch eine E-Mail mit Ihrer Teilnahmebescheinigung und Ihren Fortbildungspunkten.
Sie benötigen ein internetfähiges Endgerät (Computer, Tablet oder Smartphone) mit Lautsprechern und eine stabile Internetverbindung. Der Vortrag wird über die Zoom Webinarplattform (nicht als Zoom-Meeting) abgehalten. Als Teilnehmer*in sind Sie nicht über die Kamera sichtbar und können Ihr Mikrofon nicht nutzen. Sie haben aber die Möglichkeit, über den Chat und über "Fragen/ Antworten" aktiv an der Veranstaltung teilzunehmen.
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18.00 - 19.30
Online via Zoom
2 Punkte
M. A. Michel Lahoud